Nach der Entscheidung gegen Ulm haben wir direkt eine E-Mail nach Leipzig geschickt mit allen Infos, die wir so hatten und der Bitte um Hilfe. Innerhalb weniger Tage erhielten wir nicht nur eine Antwort per Mail sondern auch einen Termin zum Video-Call.
Ein Arzt klärte uns bei dem Video Call nochmal detailliert über die Krankheit auf. Was gemacht werden kann, wird oder sollte. Auch er wollte wissen, wie oft wir denn den Darm spülen worauf wir natürlich sagten - NIE. Es hat uns ja nie jemand etwas davon erzählt geschweige denn gezeigt. Er meinte, wir sollten auch nochmal ein aktuelles Röntgenbild machen und man hoffe, dass kein künstlicher Darmausgang nötig wird. Durch das Alter unserer Tochter (bis dahin bereits 8 Monate) und dem Wissen, dass sich der Darm nie komplett entleert, wurden wir ins Klinkum zitiert mit der Möglichkeit auf die direkte Durchführung einer Durchzugs-OP.
Nach bereits drei Wochen waren wir zu Beginn des Jahres im Krankenhaus Leipzig. Wir hatten direkt am Tag unserer Ankunft das Röntgen mit Kontrastmitteleinlauf und durften unser Zweibettzimmer beziehen.
Dort wurden uns gezeigt, wie eine Darmspülung erfolgt. Spülen im Sinne von: Wir packen einen ca. 1cm dicken Blasenkatheter für Erwachsene an eine Spritze und füllen diese mit 100ml warmen Leitungswasser - spritzen dieses dann langsam u. vorsichtig in den Darm und ziehen es wieder heraus, sodass man auch den Stuhlgang entfernt. (Dieses Verfahren sollte unbedingt von einer geschulten Person gezeigt werden vor der Durchführung!)
Nach den Auswertungen durch Radiologie und Chirurgen wurde festgestellt, dass ihr Dickdarm auf 4cm ausgeweitet ist. Selbst für einen Laien macht das Sinn, wenn sich der Darm nie selbstständig und vollständig entleeren kann, dass der Stuhlgang sich dann irgendwo sammelt. Wir hatten nun drei Möglichkeiten:
1. Täglich 2x Darmspülungen durchführen für drei Monate mit dem Wissen, es könne nicht ganz ausreichend sein, um den Darm komplett zu entlasten.
2. Ein Ileostoma - künstlicher Darmausgang am Dünndarm. Somit wird der Dickdarm komplett entlastet und kann sich zusammenziehen.
3. Eine Bauchspiegelung, um sich den Darm live anzusehen und evtl. doch eine Durchzugs-OP durchführen, was sehr unwahrscheinlich ist.
Wir entschieden uns für den künstlichen Darmausgang. Wir sahen hier alle die einfachste und effektivste Lösung. Und so wurde sie zwei Tage später in Leipzig operiert und ein Ileostoma wurde angelegt.
Wieder Vollnarkose, wieder OP, wieder Aufwachraum, wieder Wartezeit, wieder Nervenaufreibend.
Die Tage nach der OP hatten wir immer wieder Probleme, dass der Beutel nicht richtig gehalten hat und die Haut durch das ständige Ab und Hin schon etwas gereizt war.
Leipzig hat hier ein absolut kompetentes Stoma Team im Krankenhaus und eine Mitarbeiterin von Publicare, die direkt die Versorgung für Zuhause managen kann. Mit diesen Damen kamen wir nach mehreren Tagen endlich auf eine Lösung und somit auch wieder nach Hause.
Erstelle deine eigene Website mit Webador