Ein Ileostoma (=künstlicher Darmausgang am Ende des Dünndarms) ist natürlich eine spezielle Herausforderung. Alle 3 Stunden den Beutel entleeren, neue Platte kleben, neuen Beutel kleben, viel Wäsche waschen durch das Auslaufen von abgelösten Beuteln oder Platten, wunde Haut uvm.
Natürlich wurde mir in Leipzig vom Stoma Team alles beigebracht, aber dann zuhause allein auf sich gestellt zu sein, ist doch nochmal eine Hausnummer.
Beim Wechsel der Stoma Versorgung ist immer wichtig darauf zu achten, dass die Haut komplett gereinigt wird. Warmes Wasser auf Kompressen und auf gar keinen Fall Seife oder Cremes verwenden - dadurch könnte die Versorgung nicht richtig halten. Mögliche Klebereste mit einem Pflasterentfernertuch entfernen. Dann mit Puder und einer Kompresse die Haut um den Darm herum trocken tupfen, sodass dort keine Feuchtigkeit mehr ist. Dann sollte natürlich im Voraus bereits die Platte auf die richtige Größe ausgeschnitten worden sein. Die Platte sollte so eng am Darm anliegen wie nur möglich, um mögliche Hautreizungen zu minimieren. Die Platte haben wir zuvor auf den Fußboden gelegt zwecks Fußbodenheizung oder warm gerubbelt, da sie dann besser haftet.Wir haben dann auf die Platte direkt um das geschnittene Loch die Paste mittels Spritze aufgebracht. Dadurch hatten wir noch mehr Halt auf der Haut. Je nach Versorgung dann eben die Platte oder das Gesamtsystem am Bauch anbringen ohne jegliche Falten, ansonsten ist ein Scheitern vorprogrammiert. Nach Anbringung dann noch einige Minuten mit der warmen Hand die Platte etwas andrücken.
Unsere Tochter krabbelte dann mehr, stand von selbst auf, alles was man mit 10-11 Monaten eben so macht und so kam es, dass die Versorgung immer wieder abging. Keiner konnte uns hier so richtig Tipps geben, wie wir die Haftungsdauer verlängern können, oder was es vielleicht noch für Tricks gibt.
Wir haben verschiedene Systeme ausprobiert.
Einteilige, Beutel mit Stopfen, Beutel zum Ausstreifen, Platte rund, Platte oval, Platte mit alkoholischer Paste festkleben oder nicht. Es gingen die pflasterlösenden Tücher aus, weil wir vergessen haben, diese nachzubestellen und noch so viele weitere kleinen Probleme.
Es vergingen Wochen und Monate. Tagsüber und nachts alle 2,5 - 3 Stunden nach der Stomaversorgung sehen, teilweise nachts alles neu machen, dann noch das erstgeborene Kind. Es ist und war eine mentale und körperliche Herausforderung.
Dazu kommt noch das Darmspülen, das wir einmal wöchentlich machen sollen. Die Fragen im Kopf: "Mache ich das so richtig?", "Wieso kommt da jetzt nichts raus", "Was passiert wenn..."
Wichtig ist hier einfach, die Unterstützung des Ehepartners und die Gespräche untereinander. Jeder hat seine Sorgen und keiner ist allein damit. Ihr seid da, um einander zu stützen und zu unterstützen.
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